Wir brauchen ein Lieferkettengesetz, denn:

Chemie-Riese Bayer verkauft in Brasilien Pestizide, die in der EU längst verboten sind.

Jährlich werden in Brasilien mehr als 6.000 Fälle von Pestizidvergiftungen gemeldet, Tendenz steigend. In jeder vierten Gemeinde finden sich zudem Rückstände von mehreren Pestiziden im Trinkwasser. Dafür ist auch die deutsche Bayer AG verantwortlich: Bayer verkauft in Brasilien sowohl Glyphosat als auch fünf Pestizide, die in der EU nicht mehr zugelassen und hochgiftig sind.

Bayers Pestizide gefährden die Gesundheit von Menschen in Brasilien. Jährlich werden mehr als 6.000 Fälle von Pestizidvergiftungen registriert, pro Jahr sterben daran durchschnittlich 148 Menschen. Eines der vielen schädlichen Bayer-Produkte ist das Insektizid Larvin, das im Baumwoll-, Mais- und Sojaanbau eingesetzt wird. Es wird sowohl aus dem Flugzeug als auch mit Hilfe von Sprühfahrzeugen ausgebracht. Larvin enthält das krebserregende Nervengift Thiodicarb und ist in der EU nicht zugelassen.

Ein besonderes Gesundheitsrisiko besteht dadurch für die Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten oder in der Umgebung leben. So wurden auch in vielen brasilianischen Städten Pestizidrückstände im Trinkwasser gefunden, darunter vier Wirkstoffe von Bayer wie z.B. Carbendazim. Die Chemikalie vergiftet Wasserorganismen und kann Erbgut und Ungeborene im Mutterleib schädigen.

Bayer kontrolliert seine Geschäftspraktiken und deren Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt in Brasilien nicht ausreichend. Auch in anderen Ländern Lateinamerikas, Afrikas und Asiens verkauft Bayer giftige Pestizide, die in der EU gar nicht auf den Markt dürfen. Zwar hat Bayer jüngst angekündigt, seine Maßstäbe für Transparenz und Nachhaltigkeit zu erhöhen. Doch inwiefern die neuen Sicherheitsstandards Menschen und Umwelt einen effektiven Schutz bieten, bleibt abzuwarten. Statt einer Selbstverpflichtung nach Gutdünken des Unternehmens braucht es einen verbindlichen gesetzlichen Rahmen, der für den gesamten Pestizidsektor gilt.

Ein Lieferkettengesetz in Deutschland würde Bayer dazu verpflichten, die tatsächlichen und potenziellen Auswirkungen des Pestizidverkaufs zu untersuchen. Dabei müsste auch die tatsächliche Anwendung der Produkte vor Ort überprüft und müssten jene Risiken evaluiert werden, die bei unsachgemäßer Verwendung der Pestizide entstehen. Bayer würde verpflichtet, Maßnahmen zu ergreifen, um Gesundheitsschäden vorzubeugen, und müsste sich vergewissern, dass angemessene Schutzkleidung verfügbar ist. Das Unternehmen müsste alle Pestizide mit angemessenen Kennzeichnungen hinsichtlich einer sachgemäßen Anwendung sowie der gesundheitlichen Risiken versehen. Letztlich müsste Bayer einen Verkaufsstopp und die Rücknahme jener Pestizide prüfen, die inakzeptable Risiken für die Bevölkerung hervorrufen, weil sie beispielsweise als hoch gefährlich eingestufte Wirkstoffe enthalten oder weil keine sichere Anwendung gewährleistet ist. Ebenso könnten Menschen, die durch Bayer-Pestizide geschädigt wurden, den Konzern auf Entschädigung verklagen.

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