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Pressemitteilung vom 10.10.2019

Schwarzer Tee, weiße Weste? Wie deutsche Unternehmen von Ausbeutung auf Teeplantagen profitieren

Berlin, 10.10.2019. Arbeiter*innen auf Teeplantagen leiden unter Hungerlöhnen und katastrophalen Arbeitsbedingungen. Davon profitieren deutsche Supermärkte und Teeunternehmen, die gut 86 Prozent des Verbraucherpreises für Tee bekommen, während nur ein Prozent für die Arbeiter*innen in Indien übrigbleibt. Das zeigt die neue Oxfam-Studie „Schwarzer Tee, weiße Weste“. Oxfam und die Initiative Lieferkettengesetz, fordern von der Bundesregierung ein Gesetz, das deutsche Unternehmen zur Verantwortung zieht, die Menschenrechtsverletzungen in ihren Lieferketten in Kauf nehmen.

Für die Studie wurden 510 Arbeiter*innen auf 50 Plantagen in Assam befragt. Die Ergebnisse sind katastrophal: 56 Prozent der Befragten haben nicht ausreichend zu essen, mehr als ein Viertel nimmt pro Tag weniger als 1.800 Kilokalorien zu sich und leidet damit Hunger. Auf der anderen Seite der Lieferkette profitieren deutsche Teeunternehmen wie die Ostfriesische Teegesellschaft (OTG) und Teekanne sowie die deutschen Supermärkte Aldi, Edeka, Lidl und Rewe, über die in Deutschland 50 Prozent allen Tees verkauft wird: „Bei einer Packung Markenschwarztee mit 50 Teebeuteln gehen nur circa vier Cent an die Menschen, die den Tee gepflückt  haben. Dass so eine Produktion zu menschenwürdigen Arbeits- und Lebensbedingungen nicht möglich ist, liegt auf der Hand“, sagt Dr. Barbara Sennholz-Weinhardt, Oxfam-Expertin für Wirtschaft und Globalisierung und Autorin der Studie.

Giftige Pestizide und Mangel an sauberem Trinkwasser

45 Prozent der befragten Arbeiter*innen leiden unter Krankheiten wie Gelbsucht, Cholera und Typhus, da sie verunreinigtes Wasser trinken müssen. Auf der Mehrheit der untersuchten Plantagen gibt es keine Ärzt*innen und zu wenig medizinisches Fachpersonal. Die Arbeiter*innen sind beim Pflücken giftigen Pestiziden ausgesetzt, gegen die sie oft keine oder nur mangelnde Schutzkleidung erhalten. 51 Prozent der Befragten klagen über Augenreizungen, Atemwegserkrankungen und allergische Reaktionen, die durch Pestizide verursacht werden können.

Zertifizierungen wirken nicht, Konsument*innen tappen im Dunkeln

Herkunft und Produktionsbedingungen lassen sich von Konsument*innen in Deutschland nicht nachvollziehen. Keines der untersuchten Unternehmen veröffentlicht seine Lieferkette. Stattdessen setzen die deutschen Teeunternehmen und Supermärkte auf Zertifizierungen, etwa durch die Organisation UTZ/Rainforest Alliance. Oxfams Recherchen zeigen jedoch, dass dieser Ansatz nicht wirkt: Viele der nachgewiesenen Rechtsverletzungen ereigneten sich auf zertifizierten Plantagen. „Unternehmen und Zertifizierungsfirmen kennen die Probleme schon lange und ändern nichts an den Bedingungen vor Ort. Abwarten und Tee trinken ist aber keine Option, wenn man weiß, dass Menschen für unseren Tee hungern müssen“, so Sennholz-Weinhardt.

Mit Lieferkettengesetz das Problem an der Wurzel packen

Oxfam fordert von Supermarktketten und Teeunternehmen, dafür zu sorgen, dass ihre Lieferanten die Menschenrechte einhalten. Tee aus Assam ist jedoch nur eines von zahlreichen Beispielen. Viele deutsche Unternehmen sorgen nicht ausreichend dafür, dass in ihren Lieferketten Menschenrechte und Umweltstandards eingehalten werden. Oxfam ist deshalb Teil der „Initiative Lieferkettengesetz“, in der sich 64 Umwelt- und Entwicklungsorganisationen, Gewerkschaften und kirchliche Organisationen zusammengeschlossen haben. „Wir fordern von der Bundesregierung ein Lieferkettengesetz. Nur so können sich Unternehmen ihrer menschenrechtlichen Verantwortung nicht mehr entziehen und Schäden an Mensch und Umwelt nicht länger in Kauf nehmen“, so Johanna Kusch, Sprecherin der Initiative Lieferkettengesetz.

Die Initiative Lieferkettengesetz ist ein Zusammenschluss von 64 zivilgesellschaftlichen Organisationen. Sie tritt dafür ein, dass Unternehmen Schäden an Mensch und Umwelt in ihren Lieferketten vermeiden und fordert hierzu von der Bundesregierung die Schaffung eines gesetzlichen Rahmens. Oxfam gehört zu den 17 Trägerorganisationen der Initiative.

Weiterführende Informationen:

  • Sie finden die vollständige Studie sowie eine Zusammenfassung hier.
  • Was ein Lieferkettengesetz konkret für die Arbeiter*innen in Assam bringen könnte, ist hier erklärt.
  • Gerne vermitteln wir Interviews mit der Autorin der Studie, Dr. Barbara Sennholz-Weinhardt (Oxfam-Expertin für Wirtschaft und Globalisierung).

Kontakt:

Johannes Heeg, Sprecher „Initiative Lieferkettengesetz”: Tel.: 0151-10611346, E-Mail: presse@lieferkettengesetz.de

Die Initiative Lieferkettengesetz wird getragen von:

Arbeitsgemeinschaft der Eine Welt-Landesnetzwerke in Deutschland e.V. (agl), Brot für die Welt, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND), Christliche Initiative Romero e.V. (CIR), CorA-Netzwerk für Unternehmensverantwortung, Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB), Forum Fairer Handel e.V., Germanwatch e.V., Greenpeace e.V., INKOTA-netzwerk e.V., Bischöfliches Hilfswerk MISEREOR e. V., Oxfam Deutschland e.V., SÜDWIND e.V., ver.di – Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft, WEED – Weltwirtschaft, Ökologie & Entwicklung e.V., Weltladen-Dachverband e.V., Werkstatt Ökonomie e.V.

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